Reclaim the media!: „Forum Recht“ und „das freischüßler“: Links in der Rechtsform
Linke, kritische Jurastudierende sind zwar selten, aber dafür umso aktiver: Einige von ihnen organisieren sich an den Universitäten in den Arbeitskreisen kritischer Juristinnen und Juristen (akj). Hier setzen sie sich mit rechtspolitischen Themen auseinander, organisieren Vorträge und Seminare an den Unis. Dabei sind die Arbeitskreise keine Vereine oder anderweitig hierarchisch organisierte Gruppen, sondern sie verstehen sich eher als für alle Interessierten offene Studierenden-Initiativen. Der Bundesarbeitskreis kritischer Juragruppen (BAKJ) veranstaltet zudem jährlich seinen BAKJ-Kongress, der letzte fand Mitte Mai 2010 in Hamburg zum Thema „Eigentum – Diebstahl oder Grundrecht?“ statt.

Mit ihren eigenen Zeitschriften halten sie der konservativ geprägten „herrschenden Meinung“ eine andere Auffassung entgegen und schneiden Themen an, die in der allgemeinen juristischen und rechtspolitischen Diskussion traditionell zu kurz kommen: Beispielsweise seien Asyl- und Aufenthaltsrecht, Antimilitarismus, Kritik am Strafrecht und an der Institution Gefängnis, die Entwicklung zum Überwachungsstaat, Umweltschutz und feministische Rechtskritik genannt. Auch die juristische Ausbildung und Probleme, die sie mit sich bringt wie beispielsweise die Pflichtstation bei der Staatsanwaltschaft im Referendariat werden unter die Lupe genommen. Dennoch verstehen sie sich nicht als juristische Fachzeitschriften. Leser_innen wie Autor_innen sind nicht ausschließlich Jurastudierende oder Referendar_innen, sondern kommen zum Teil auch aus anderen Fachrichtungen oder politischen Zusammenhängen. Mensch braucht also keine Angst vor juristischer Fachsprache oder zu komplexen Themen zu haben, sondern kann sich über gut recherchierte, verständliche rechts-, staats- und gesellschaftskritische Artikel freuen.

„Forum Recht“, die Zeitung des Bundesarbeitskreises, erscheint viermal im Jahr. Der akj der Humboldt-Universität zu Berlin gehört nicht zum BAKJ und gibt selbstständig das kostenlose „freischüßler“ (eine Referenz auf den „Freischuss“, einen Freiversuch im juristischen Staatsexamen) heraus. Beide publizieren zudem auch jedes Jahr zum Wintersemester (im Oktober) ein Heft für Erstsemester_innen, das kritischen Jurastudierenden den Einstieg in den Uni- beziehungsweise Studienalltag erleichtern soll. Der BAKJ gibt außerdem gemeinsam mit verschiedenen Menschen- und Bürger_innenrechtsorganisationen den jährlichen „Grundrechtereport“, eine Art alternativer Verfassungsschutzbericht, der den Umgang mit dem Grundgesetz dokumentiert.
Ani K.
Forum Recht kann auf der Seite forum-recht-online.de abonniert werden; das freischüßler ist über die Seite des akj berlin, akj-berlin.de , erhältlich.







