Darf’s etwas grüner sein?

Computer sind Stromfresser. Computer sind giftig. Wie kann die Informationstechnologie umweltfreundlicher werden?

Ein Zehntel des deutschen Stromverbrauchs geht für Informationstechnologie (IT) drauf, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts vom Juli 2009. Die größten Stromfresser sind Computer und Flachbildschirmfernseher. Dabei gibt es von Seiten großer Unternehmen durchaus Bemühungen, ihre IT „grüner“ zu machen. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen reicht das nicht.

„Green IT“ bedeutet oftmals, den Stromverbrauch zu verringern. Das gilt zunächst für große Rechenzentren und Serveranlagen. Aber auch verschiedene öffentliche Dienstleistungsstellen bemühen sich mittlerweile zumindest bei Neuanschaffungen um stromsparende Computer. Zwar geschieht dies häufig aus Kostengründen;  effizientere Geräte können aber trotzdem dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu verringern und somit das Klima zu schützen.
Aber auch Privatpersonen, die nur einen einzigen Computer haben, können einen Beitrag leisten. Am wenigsten Strom verbraucht ein Computer, wenn er abgeschaltet ist. Das meint aber nicht nur das Herunterfahren, sondern auch die Trennung (auch des Netzteils!) von der Steckdose. Denn auch Stand-by-Schaltungen ziehen ungemein viel Strom. Wer an den Computer geht, sollte sich vorher überlegen, was er oder sie machen möchte – und wann die Kiste auch wieder ausgeschaltet werden kann.

Foto: Michael Schulze von Glaßer

Foto: Michael Schulze von Glaßer

IT – grün und fair!
Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sind Technologien zur Erhöhung der Energieeffizienz von IT-Produkten. Das heißt, dass die Produkte weniger Strom für die gleiche Leistung benötigen. Organisationen wie Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung (WEED) fordern von Unternehmen aber auch, dass die gesamte Hardware und der Herstellungsprozess „grün“ und fair sein müssen. Denn die ökologischen und sozialen Kosten der Herstellung haben vor allem die Menschen in ärmeren Ländern zu tragen, wo die Produktion billig ist. In einem Computer sind viele Edelmetallen und teilweise giftige Legierungen (Mischkristalle) oder Chemikalien verarbeitet. Diese Kleinbestandteile werden zumeist unter katastrophalen menschen- und arbeitsrechtlichen Bedingungen gewonnen. Zum Beispiel werden gesundheitsschädliche Stoffe ohne Schutzmaßnahmen behandelt. Da viele der Bestandteile aus Krisenregionen stammen, kann es sein, dass der Kauf eines Computers indirekt blutige Kämpfe um Rohstoffe unterstützt.
Da auch Hardware immer kurzlebiger ist, stellt sich gleich ein weiteres Problem. Die angemessene Entsorgung ausgedienter IT-Produkte ist längst nicht ausreichend gesichert. Nur geringe Teile werden wiederverwertet, und auch giftige Abfallstoffe werden nicht entsorgt. Mit Kampagnen wie makeITfair  und makeITgreen möchten Organisationen wie WEED oder Germanwatch die herstellenden Firmen in die Verantwortung nehmen, damit IT auch grün bleibt, wenn es sie nicht mehr gebraucht wird – und nicht auf Müllkippen in ärmeren Ländern den Boden verseucht.
Die Nicht-Regierungs-Organisationen fordern ein verlässliches Siegel, das aufzeigt, wo und unter welchen Bedingungen Handys, Computer, MP3-Player und andere Elektrogeräte produziert wurden. Zudem sollen die Firmen sich bereit erklären, Elektroschrott und Altgeräte zurückzunehmen und fachgerecht zu entsorgen.

Grüne E-Mails
Bis sich dort etwas ändert, kann mensch also zunächst einmal nur versuchen, die eigene IT-Nutzung so „grün“ wie möglich zu gestalten. Neben einem Computer mit möglichst geringem Stromverbrauch geht das auch durch die Nutzung eines E-Mail-Anbieters, der seine Server mit Ökostrom betreibt. atomstromfrei.de musste aus Kostengründen im Juli 2009 den Betrieb einstellen. Als grüner Anbieter bleibt nur noch biomail.de – ein Postfach dort ist zwar nicht kostenfrei, aber der Server wird ausschließlich mit Ökostrom betrieben.

Ani K.

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