Tausche Obstkorb gegen Sicherheit
Solidarische Ökonomie auf Landwirtschaftsgemeinschaftshöfen
Eine Gruppe von Konsument_innen schließt sich mit einem Bauernhof in ihrer Nähe zusammen, um zukünftig gemeinsam über die Produktion zu entscheiden und den Produzent_innen die Abnahme ihrer Produkte für die nächste Saison zu garantieren: Das ist das Grundprinzip der „Teikei“ (Japan), „Community Supported Agriculture“ (USA/Kanada), „AMAP“ (Frankreich) oder auch „Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe“.
Was in den 1960er Jahren in Japan begann und mittlerweile auch in Frankreich weit verbreitet ist, scheint langsam auch in Deutschland Fuß zu fassen. Gemeinschaftshöfe wollen eine alternative Organisationsform der Nahrungsmittelproduktion unterstützen, bei der eine bäuerliche Landwirtschaft, die sich überdies meist an Anbaukriterien des biologischen Landbaus orientiert, im Mittelpunkt steht.
Kalkulierter Warenkorb
Konkret bedeutet dies, dass sich eine Gruppe von Haushalten mit einem Betrieb zusammenfindet und für mindestens eine Saison (Frühling/Sommer oder Herbst/Winter) eine Partnerschaft eingeht. Gemeinsam entscheiden Bäuer_in und Abnehmer_innen, was im kommenden halben Jahr auf dem Hof produziert werden soll – das kann von Obst und Gemüse über Eier, Milch und Fleisch bis zu Getreide und Speiseöl jegliches landwirtschaftliche Produkt sein. Die Erzeugnisse liefern die Bäuer_innen dann regelmäßig, meist wöchentlich, an einen zentralen Ort, wo die Konsument_innen ihre Verteilung organisieren. Der Preis für diese „Warenkörbe“ wird ebenso im Vorhinein auf der Grundlage einer genauen Kostenkalkulation bestimmt und von den Konsument_innen entweder komplett vor Beginn der Saison oder in Raten an die Bäuer_innen gezahlt. Wenn es zu witterungsbedingten Ernteausfällen oder sonstigen Unvorhersehbarkeiten kommt, wird dies von der Gemeinschaft getragen. Zusätzlich zur Belieferung mit frischen, regional erzeugten Produkten versuchen einige der Hofgemeinschaften auch, einen engeren Kontakt zwischen den Verbraucher_innen untereinander und den Landwirt_innen herzustellen, indem sie beispielsweise Workshops auf den Höfen anbieten oder Kochrezepte für die erhaltenen Produkte austauschen.
Existenzsicherheit und Umweltschutz
Diese Form des Wirtschaftens bringt für die Landwirt_innen für einen Zeitraum eine gesicherte Existenz und die Möglichkeit, durch die Vorauszahlung der Verbraucher_innen nötige Investitionen, z.B. für Maschinen, tätigen zu können. Kleine Betriebe können so unabhängig von Großabnehmer_innen fortbestehen, die ihnen oft keine existenzsichernden Abnahmepreise zahlen. Die Verbraucher_innen profitieren von Transparenz und Mitspracherechten bei der Lebensmittelproduktion. Da die Betriebe oft ökologisch arbeiten und lange Transportwege, aufwändige Kühlung und Verpackung größtenteils entfallen, tragen Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe zum Umweltschutz bei.
Da die Produkte im Vergleich zu billiger Supermarktware aus herkömmlicher Erzeugung aber immer noch recht teuer sind, ist die Mitgliedschaft in einer solchen Hof-Partnerschaft nicht für alle Menschen erschwinglich. Außerdem ist das Konzept darauf angewiesen, dass die Verbraucher_innen das Geld für die Warenkörbe in der „normalen“ Ökonomie verdienen und ändert nicht unbedingt etwas an der Entfremdung der Abnehmer_innen vom Entstehungsprozess der Lebensmittel, vor allem wenn es sich um große Gemeinschaften mit über 100 beteiligten Haushalten handelt.
Dennoch setzen die Gemeinschaftshöfe der hochindustrialisierten und teilweise monopolartigen Landwirtschaft eine regionale, umweltfreundliche, demokratische Alternative entgegen, die ein Beispiel für eine solidarische Form der Wirtschaft darstellt
Ani K.
Weitere Infos: www.solidarische-landwirtschaft.org








