„Der Musik-Download wird kriminalisiert“

Julian Finn über eine Kultur-Flatrate als Alternative zum bestehenden System

Millionen von Menschen laden illegal Musik aus dem Internet. Die Industrie klagt: Künstler können ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen. Julian Finn schlägt daher eine Kultur-Flatrate vor. Der Sprecher des Netzwerks Fairsharing erzählt im utopia-Interview über Musik im Internetzeitalter.

utopia: Ist das illegale Runterladen von Musik eigentlich politisch?

Julian Finn: Das könnte man so sehen. Es gibt Leute, die bezeichnen das als Akt des Ungehorsams. Auf jeden Fall wird dadurch das Downloaden zur Normalität. Und umso schwieriger wird es, das zu verbieten.

Es gibt auch Internetseiten, da kann man gegen Geld Musik downloaden. Spricht da denn was gegen?

Nein, jede darf freiwillig so viel Geld ausgeben für Musik, wie sie will. Nur: Ein Kopierschutz entzieht der Nutzerin die Kontrolle über das Gekaufte. Die Musik kann man dann zum Beispiel nur x-mal kopieren oder x-mal anhören. Neben diesen legalen Portalen wird es immer auch das Filesharing geben, also das Weitergeben von Dateien.

Wie reagiert die Politik?

Sie hat das in den letzten Jahren verboten. Dadurch werden viele Menschen -  vor allem junge Leute – kriminalisiert.

Gibt es keine andere Möglichkeit?

Man gibt die Musik frei.

Aber werden dadurch nicht die Existenzen von Künstlerinnen zerstört?

Das kann man so leicht nicht beantworten. Zunächst sind es nur wenige Künstler, die mit ihrer Musik ihren Lebensunterhalt verdienen. Das liegt daran, dass nur ein geringer Prozentteil einer verkauften Platte an die Künstlerin selbst geht. Konzerte bringen da teilweise schon mehr Geld ein.

Aber es gibt doch auch Musiker, die leben von ihren verkauften CDs.

Das ist ja auch gar nichts Schlechtes. Da muss man sich dann Gedanken über Alternativen machen.

Zum Beispiel über die Kultur-Flatrate. Was ist das?

Für jeden Internetzugang wird ein Beitrag gezahlt. Zum Beispiel fünf Euro im Monat für eine DSL-Flatrate. Das würde über 500 Millionen Euro im Jahr bringen.

Und wie wird das Geld dann auf die Künstler verteilt?

Das könnte man viel genauer machen als das im Moment durch die Verwertungsgesellschaft Gema passiert. Der Datenverkehr lässt sich messen – anonym. Auch kleine Künstler, die nicht so oft gehört werden, erhalten dadurch ihren Anteil.

Wenn es eine Kultur-Flatrate gibt, sterben dann die CDs aus?

Die wird es nicht mehr geben, egal was passiert. Geld verdienen lässt sich in Zukunft durch ein gut gemachtes Internetangebot, wo Nutzer leicht zu guter Musik finden können.

Für das Runterladen zahlen dann alle – auch diejenigen, die das Internet gar nicht nutzen um Musik zu hören.

Diese Bedenken sind berechtigt. Aber auch Oper und Theater werden zum Beispiel mit öffentlichen Geldern unterstützt. Oder das Fernsehen durch die GEZ. Im Prinzip ist es eine gute Sache, wenn Kultur öffentlich finanziert wird.

Warum gibt es noch keine Kultur-Flatrate?

Die Politik wird bestimmt von den Parteien und durchaus auch von Lobbyverbänden. Die Künstlerinnen würden durch eine solche Flatrate zwar massiv profitieren, aber sie brächte enorme Nachteile für die Plattenfirmen. Da versucht man lieber mit der Gesetzeskeule zu kommen und die Leute zu kriminalisieren.

Interview: Felix W.

Julian Finn (28) ist Sprecher von Fairsharing. Das Netzwerk aus verschiedenen Gruppen möchte die Kultur-Flatrate als Alternative zur Kriminalisierung des Musik-Downloads bekannt machen. Infos: www.fairsharing.de

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