Arbeiten? Aber nicht umsonst!


Die Arbeit wird knapper. Verantwortlich wird zumeist – verkürzt – eine Automatisierung der Arbeit, also im weitesten Sinne der Ersatz von Menschen durch Maschinen, und die Globalisierung des Arbeitsmarktes gemacht. Umso knapper die Arbeit wird, umso begehrter scheint sie auch zu werden. So begehrt, dass viele sogar bereit sind umsonst zu arbeiten.


Wie unzulänglich die Tätigkeit auch sein mag, immer sind es mehr Menschen, die auf eine solche angewiesen sind, als es freie Plätze gibt. Die Arbeitgebenden wissen das auszunutzen und diktiert die Bedingungen, unter denen PraktikantInnen, VolontärInnen und Lehrbeauftragte ihre Arbeit abzuleisten haben. Das heißt nicht selten: Arbeiten ohne Lohn. Dabei wird unterschlagen, dass mit der Tätigkeit ein Produkt oder eine Dienstleistung und damit Profit für den Arbeitgebenden entsteht, der eigentlich dem arbeitenden Subjekt zusteht.
Während dieser doppelten Ausbeutung – denn die Lohnarbeit als solche ist bereits Ausbeutung – in anderen Ländern durch einen Mindestlohn, z.B. für Praktika, entgegen gewirkt wird, sind die zumeist jungen Menschen hier zu Lande dem Diktat der Profitmaximierer schutzlos ausgeliefert.

Beispiel Praktikum und Volontariat
Sei es das obligatorische Schulpraktikum, das Praktikum, das ich vor dem Studium zu absolvieren habe, um eine Zugangsberechtigung an der Hochschule zu erhalten, oder das sog. Volontariat nach dem Studium bei einer Zeitung, das ich trotz bereits erlangtem Diplom, Magister oder Master antrete, weil ich eine Laufbahn als JournalistIn anstrebe – in den seltensten Fällen werden solche Tätigkeiten bezahlt. Dabei ersetzen solche vermeintlichen PraktikantInnen und VolontärInnen nicht selten eine oder mehrere reguläre Stellen.

Beispiel Gastronomie
Viele Studierende und SchülerInnen sind darauf angewiesen, neben dem Studium oder der Schule zu jobben, um vielleicht die Studiengebühren zu deckeln oder auch einfach, um sich etwas Taschengeld hinzu zu verdienen. Solche Jobs lassen sich zum Beispiel in der Gastronomie finden, also in Gaststätten, Kneipen und Cafés, weil die Einarbeitungszeit von u.a. KellnerInnen kurz ausfällt. Bevor es aber zur Einstellung kommt, müssen Probeschichten geleistet werden – natürlich unbezahlt und ohne Jobgarantie.

Beispiel Hochschule
Junge AkademikerInnen üben nicht selten Lehrtätigkeiten aus, die Ihnen als Sprungbrett zur Karriere an der Hochschule verkauft werden, um überhaupt eine Chance zu bekommen. Diese Lehrtätigkeiten werden selten bezahlt. Die Uni kann sich das leisten. Schließlich stehen die Leute Schlange, um am Unibetrieb auch beruflich teilhaben zu dürfen. Ob sich das für die Lehrkräfte irgendwann mal auszahlt, ist ungewiss. Reguläre Stellen an der Hochschule sind eher ein Ergebnis des Nutzens guter Beziehungen als von williger Selbstausbeutung.

Beispiel Ehrenamt
Das ehrenamtliche Engagement scheint besonders unverdächtig. Sind die Ziele der meisten Stellen, in denen mensch sich engagiert, doch ohne offensichtlich kommerzielle Absichten. Doch auch hier wird reguläre Beschäftigung vernichtet und eine Ausbeutung der Freiwilligen betrieben. Das ist nicht zuletzt eine Konsequenz daraus, dass Vermögende immer weniger in die öffentlichen Kassen einzahlen müssen. Dies kommt einer Umverteilung des Geldes von unten nach oben gleich.

Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse
Mit der Nicht- und Schlechtbezahlung von Arbeit, mit dem Schwinden der unbefristeten Vollzeitstellen, mit sozialversicherungspflichtigem Einkommen, der sog. Normalarbeit, zugunsten einer flexibilisierten und unsicheren Erwerbsarbeit, haben sich die Arbeits- und damit auch die Lebensverhältnisse vieler Menschen „prekarisiert“. Mit Prekarisierung/Prekarität ist zunächst die Unsicherheit des Arbeitsplatzes, des Einkommens und das Fehlen einer sozialen Absicherung gemeint, sowie die „… subjektiv mit Sinnverlusten, Annerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheit“ (Dörre) verbundene Erwerbsarbeit. Unbezahlte Arbeit ist als Teil dieser zunehmenden Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse zu begreifen.

Es regt sich Widerstand – It´s time to organize
Es gab und gibt verschiedene Kampagnen, die mehr oder weniger glaubhaft versuchen, dem Übel der unbezahlten Arbeit entgegen zutreten.
Unter dem Slogan „Keine Arbeit ohne Lohn“ (www.fau.org/static/keine-arbeit-ohne-lohn/) betreibt die gewerkschaftliche Initiative Freie ArbeiterInnen Union (FAU) eine Website, auf der Fälle von unbezahlter Arbeit gesammelt und dokumentiert werden. Die FAU will damit für das Problem „unbezahlte Arbeit“ sensibilisieren und praktisch etwas verändern. Der praktischen Wirkkraft, so die FAU, müsse aber eine Organisierung der betroffenen Subjekte voraus gehen. Dies wiederum gestalte sich schwierig, da die Betroffenen in der Regel vereinzelt in ihren Betrieben arbeiten und nur schwer kollektive Prozesse starten können. Gewerkschaftliche Zusammenschlüsse und das Internet mit seinen Foren und Netzwerken können da vielleicht Abhilfe leisten. Betroffen sind aber nicht nur Menschen, die für lau arbeiten müssen, sondern auch die Stammbelegschaft, deren reguläre Stellen durch die Praxis der Gratisarbeit bedroht sind.
Nicht nur bei der FAU also scheint darüber Einigkeit zu bestehen, dass einzig Gratis-ArbeiterInnen und StammbelegschafterInnen gemeinsam eine Arbeitermacht erzeugen können, die den Arbeitgebenden etwas entgegen zu setzen vermag und dem gegeneinander Ausspielen der Beschäftigten ein Ende setzt.

Findus

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