Kampf für ein soziales Zentrum: „Wir wollen die Chance, sich frei zu entwickeln“
Hausbesetzungen – gab’s die nicht früher in den wilden Zeiten der Student/innen-Bewegung? Das stimmt, doch auch heute noch werden Häuser besetzt – zum Beispiel das „Versetzt“ in Münster. Bislang befindet sich dort ein alternatives Ladenlokal, doch das Gebäude soll nun abgerissen werden. utopia sprach mit einem der Besetzer/innen.
utopia: Ihr besetzt das Versetzt jetzt seit Anfang des Jahres. Warum?
Arthur: Wir haben zwei Forderungen: Zum einen sollen Sozialwohnungen erhalten werden – vor allem im Innenstadtbereich. Zum andern wollen wir ein soziales Zentrum für Münster. Diese Forderung besteht übrigens schon seit Ewigkeiten.
Und es hat sich nichts getan?
Wir waren immer offen für Verhandlungen, wir wollten auch mit den Parteien reden, aber die Politikerinnen und Politiker sind darauf überhaupt nicht eingegangen. Deswegen besetzen wir jetzt das Haus.
Aber ist das eine langfristige Lösung?
Die Besetzung soll in erster Linie Öffentlichkeit schaffen und unseren Forderungen mehr Nachdruck verleihen. Im Grunde ist die Besetzung nur eine Rettungsaktion, um nicht unterzugehen und vergessen zu werden.
Wer rettet denn das Versetzt? Sind das alles Studentinnen und Studenten bei euch?
Nein, das ist kein rein studentisches Ding. Bei uns machen ganz viele mit: Studierende, Obdachlose, Schülerinnen, Arbeitslose, da vereinigt sich alles.
Gibt es da nicht manchmal Streit?
Natürlich gibt es hin und wieder Konflikte. Persönliche Streitereien müssen privat geklärt werden. Bei organisatorischen Probleme und solchen, die das Zusammenleben betreffen, sieht das anders aus: Je nach Wichtigkeit werden die Fragen dann auch ins tägliche Plenum getragen, um sie dort mit der Gruppe auszudiskutieren und zu klären.
Das heißt, es gibt eine feste Gruppe von Leuten, die über längere Zeit im Versetzt wohnen. Aber wie sieht es mit dem Kontakt nach außen aus? Kommen viele Leute vorbei, um sich das Versetzt anzuschauen? Oder sind die eher abgeschreckt?
Die meisten Leute kommen zu den Veranstaltungen, die wir abends anbieten. Viele sind neugierig und stellen Fragen. Abgeschreckt haben wir aber hoffentlich niemanden. Die Leute sind eher unsicher.
Nehmen wir an, ihr könntet das Versetzt wirklich halten. Wie sähe dann in Zukunft das soziale Zentrum aus?
Also, ich stell mir das so vor, dass es viel Platz bietet, wo ganz unterschiedliche Gruppen arbeiten können – zum Beispiel politische Initiativen. Wir wollen aber auch Räume für Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung stellen. Dort können sie ihre Kunst ausstellen, ohne dafür teure Miete zahlen zu müssen. Ein soziales Zentrum ist einfach ein Ort zum Treffen, sich Unterhalten und Arbeiten. Und das unkommerziell. Denn das ist ja das Wichtigste daran, dass man wirklich die Chance hat, sich frei zu entwickeln. Durch den kommerziellen Weg ist man nämlich immer an irgendwelche Sachzwänge gebunden.
Interview: Ana Mari M.
Arthur (25) war schon bei mehreren Hausbesetzungen dabei.
Ana Mari M. (16) würde sich über ein soziales Zentrum in Münster freuen.





