Was ist eigentlich ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Knapp 500 Jahre ist es her, da thematisierte Thomas Morus in seinem Roman „Utopia“ grundlegende Ideen eines bedingungslosen Grundeinkommens. Heute liest man fast jeden Tag in der Presse vom bedingungslosen Grundeinkommen. Aber um was genau handelt es sich beim Grundeinkommen und wem nützt es?
Das bedingungslose Grundeinkommen umfasst vier Grundelemente.
Erstens: Es soll ein Einkommen sein, welches existenzsichernd ist und darüber hinaus gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Die morgendlichen Brötchen sollen also genau so abgedeckt sein wie zum Beispiel die Fahrt zur Demonstration. Als konkreter monatlicher Betrag sind, je nach Modell, 800 bis 1500 Euro im Gespräch.
Zweitens: Es soll ein individueller Rechtsanspruch für alle Menschen sein. Das heißt, das Geld steht jedem Menschen allein auf Grund seiner Existenz zu, ohne Berücksichtigung von partnerschaftlichen Bindungen, von Einkommens- und Vermögensverhältnissen und unabhängig davon, ob man bereit ist, eine Arbeit anzunehmen oder nicht.
Drittens: Es wird ohne Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt. Somit ist es nicht mehr nötig, dass Menschen sich vor den Jobcentern (im übertragenen Sinne) bis auf die Haut ausziehen müssen, um eine Leistung zu erhalten.
Viertens: Das Grundeinkommen muss so ausgestaltet sein, dass es keinen Zwang zur Arbeit bedeutet. Es darf somit auch nicht zu niedrig angesetzt sein, sodass man indirekt dazu gezwungen wäre, weiterhin einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Wer dennoch arbeitet, verdient oben drauf; das Grundeinkommen bleibt aber voll erhalten.
Wem jedoch nützt ein solches Grundeinkommen?
Die Nichterwerbstätigen werden nicht mehr unter Druck gesetzt, beschuldigt, kontrolliert, drangsaliert und zu fragwürdigen (Arbeitssuch-)Maßnahmen gezwungen, die keine Perspektive bieten. Sie können frei entscheiden, was sie tun möchten, sich ehrenamtlich engagieren oder mit dem Grundeinkommen im Rücken die Selbstständigkeit wagen.
Die Erwerbstätigen können es sich leisten, weniger zu arbeiten und auf ihre Gesundheit zu achten. Gegenüber ArbeitgeberInnen können sie selbstsicherer aufzutreten und zum Beispiel eine Lohnerhöhung oder mehr Urlaubstage fordern. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes wird abnehmen, denn die Existenz bleibt in jedem Fall gesichert.
Eltern haben die Freiheit, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen oder aber eine Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen. Kinder sind kein Armutsrisiko mehr und Alleinerziehende sind besser abgesichert.
KünstlerInnen und Kreative stehen nicht mehr unter dem Zwang, von ihrer Kunst auch leben zu müssen. Mit dem Grundeinkommen können sich Kultur und Bildung frei entfalten und die Gesellschaft bereichern – was allen zu Gute kommt.
Doch selbst die Unternehmer können vom bedingungslosen Grundeinkommen profitieren – durch die hohe Motivation der eingeworbenen freien MitarbeiterInnen und der somit steigenden Effizienz und Produktivität der Unternehmen. Produzierende Betriebe dürfen rationalisieren ohne stigmatisiert zu werden, denn sie entlassen ihre Menschen nicht mehr in das „soziale Nichts“.
Das bedingungslose Grundeinkommen stellt eine Alternative innerhalb des kapitalistischen Systems dar, welche natürlich nicht alle Probleme lösen kann, jedoch den Menschen Freiraum zur Selbstermächtigung schafft und so die Möglichkeit bietet, neue Wege zu suchen, zu finden und zu gehen.
Jérôme Drees
Literaturempfehlung: Kleines ABC des bedingungslosen Grundeinkommens, ISBN 978-3-930830-55-8, AG SPAK Bücher, 56 Seiten, 6 Euro





