Bundeswehr sorgt für Unruhe

Die deutsche Armee möchte in der baden-württembergischen Kreisstadt Balingen einen Jugendblasmusikwettbewerb etablieren und stößt dabei nicht nur auf Zustimmung.

Rund 800 Teilnehmer erwartet die Bundeswehr von Freitag bis Sonntag zu den „Bw-Musix’09“ in Balingen, rund 70 Kilometer südlich von Stuttgart. Jugendliche und Kinder treten dabei in einem vom Musikinstrumentenhersteller Yamaha unterstützten Orchesterwettbewerb gegeneinander an. Nebenbei können Musikworkshops besucht werden. Den Zollern-Alb Kurier konnten die Organisatoren vom Zentrum für Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr als Medienpartner gewinnen. Die 34.000 Einwohner-Stadt Balingen stellt für die Armee-Veranstaltung einen Proberaum und die städtische Messehalle zur Verfügung. Dort soll in einer Ausstellung auch für den Dienst bei der Bundeswehr geworben werden. Logo, Flugblätter sowie das Anmeldeformular der „Bw-Musix“ prangen schon seit Monaten auf der Website der Stadt. Kritik wird abgeblockt.

Eine der jüngsten Teilnehmerinnen der Bw-Musix aus dem Vorjahr. | Screenshot: Bundeswehr-Militärmusik-Website

Eine der jüngsten Teilnehmerinnen der Bw-Musix aus dem Vorjahr. | Screenshot: Bundeswehr-Militärmusik-Website

Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer der städtischen Jugendmusikschule protestierten im Frühjahr in einem Schreiben an Oberbürgermeister Helmut Reitemann (CDU) gegen die „Bw-Musix“. Im Juli trat die baden-württembergische Fachgruppe Musik in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di an die Stadt heran: „Werbeaktionen der Bundeswehr dürfen an Jugendmusikschulen, an denen Minderjährige, Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, keinen Raum einnehmen.“ Auch in Sitzungen des Stadtrats verteidigten die regierenden Lokalpolitiker die „Bw-Musix“ und ließen keine Kritik an sich oder die Veranstaltung heran. In einem am vergangenen Montag stattgefundenen Gespräch zeigte sich die Stadt ebenfalls kompromisslos. Die Stadtväter wollen die „Bw-Musix“ gar jährlich austragen und Balingen so in der Blasmusik-Szene etablieren. Dass die Armee dabei Veranstalterin ist, stört die konservativen Politiker nicht. Angekündigte Protestaktionen gefährden diesen Traum nun jedoch massiv.

Die Rattenfänger von Balingen. | Cartoon: Findus

Die Rattenfänger von Balingen. | Cartoon: Findus

„Solche Probleme hatten wir noch nie“, zitiert der Schwarzwälder Bote den Organisator der „Bw-Musix’09“, Oberleutnant Johannes M. Langendorf. Drei „Bw-Musix“-Wettbewerbe hätte es in den vergangenen Jahren bereits gegeben, nun hätten sich erstmals Proteste angekündigt. Unter der Überschrift „Stören! Sabotieren! Verhindern!“ rufen Autonome für Samstag zu einer bisher nicht angemeldeten Demonstration auf. Die Polizei kündigte schon mal an, mit einer Vielzahl von Beamten aufzumarschieren: „Wir nehmen das sehr ernst“, so der Polizeisprecher Lambert Maute im Schwarzwälder Boten. Die Zeitung druckte am Donnerstag ein Bild zweier behelmter Polizisten, die einen Demonstranten gewaltsam abführen, zum Artikel ab. Auch die Bundeswehr schürt Ängste vor gewaltsamen Protesten: Die „Pöbler“ könnten ihn nicht abschrecken, ließ Organisator Oberleutnant Langendorf in der Lokalzeitung verkünden. Die Linkspartei im Zolleralbkreis distanzierte sich von etwaigen gewaltsamen Protesten auf der Demonstration am Samstag und kündigte für Freitag eine eigene gewaltfreie Protestaktion gegen die „Bw-Musix“ an. Außerdem werde man wo immer es möglich sei, auf den Verzicht von Gewalt hinwirken. Ob die Bundeswehr ihren Jugendmusikwettbewerb im nächsten Jahr wieder in Balingen durchführt, wird sich nach dem Wochenende zeigen; die Turbulenzen im Vorfeld geben den Kritikern der „Bw-Musix“ aber Grund zur Hoffnung.

Michael Schulze von Glaßer

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