Ein gesperrtes Netz, trockene Wasserhähne, steigende Preise für Brot: Die Auslöser wirken klein. Die Wut dahinter war es nicht. In mehreren Ländern sind junge Leute auf die Straße gegangen, und manche Regierung hat das ins Wanken gebracht. Hier steht, was belegt ist.
Gemeint ist die Gen Z, laut ZDF grob die Jahrgänge 1997 bis 2012.
Nepal: Erst das Netz gesperrt, dann das Parlament belagert
Anfang September 2025 ließ Nepals Regierung 26 Onlinedienste sperren, darunter Facebook, X und YouTube. Die Firmen sollten sich registrieren und staatlicher Aufsicht unterstellen. Dazu kam Frust über Korruption und über Bilder vom Luxusleben der Politikerkinder.
Am 8. September protestierten Zehntausende am Parlament in Kathmandu. Nach Behördenangaben starben 19 Menschen, mehr als 100 wurden verletzt. Am nächsten Tag trat Ministerpräsident Khadga Prasad Sharma Oli zurück, die Sperre fiel. Im März 2026 wählten die Nepalesen laut Heinrich-Böll-Stiftung Balendra Shah zum Premier. Mit 35 ist er der jüngste in der Geschichte des Landes.
Zur Einordnung: Bei uns geht es in der Debatte um Social-Media-Regeln um Jugendschutz, nicht um staatliche Kontrolle. Was die Politik hierzulande vorhat, steht in unserem Überblick zur Altersgrenze.
Madagaskar: Wasser, Strom, Perspektive
In Madagaskar begannen die Proteste mit Strom- und Wasserausfällen. Das Land gehört laut ZDF zu den ärmsten der Welt, das Durchschnittsalter liegt bei 19 Jahren. Symbole waren gelbe Wasserkanister und die Piratenflagge aus dem Anime One Piece, fast ein Meme zum Mitnehmen. Organisiert wurde über TikTok, Instagram, Telegram und Discord.
Anfang Oktober 2025 schlugen Sicherheitskräfte die Proteste brutal nieder, mindestens 22 Menschen sollen gestorben sein. Dann stellte sich das Militär auf die Seite der Demonstrierenden und übernahm die Macht. Die Regierung wurde aufgelöst, Präsident Andry Rajoelina floh. Stand der ZDF-Berichte vom 19. Oktober 2025 war offen, wie es weitergeht. Danach haben wir den Verlauf nicht geprüft.
Marokko: Milliarden für die WM, zu wenig für Schulen?
Das anonyme Kollektiv „GenZ 212“ rief über Discord zu Protesten auf. Es fordert Reformen bei Bildung und Gesundheit und kritisiert die Milliarden für die Fußball-WM 2030. Am 1. Oktober 2025 wurden laut staatlicher Agentur MAP mindestens drei Menschen in Lqliaa bei Agadir von Sicherheitskräften erschossen. Offiziell gab es Hunderte Festnahmen.
Später rief König Mohammed VI. in seiner Rede zur Parlamentseröffnung zu Reformen auf und nannte Jobs für Junge, Bildung und Gesundheit. GenZ 212 pausierte seine Demos, die Forderungen blieben nach eigener Aussage gleich.
Kenia: Steuern auf Brot
Schon im Juni 2024 gingen junge Kenianer gegen das Finanzgesetz auf die Straße. Es sah höhere Steuern unter anderem auf Brot, Speiseöl und Mobilfunkgebühren vor. Am Abstimmungstag demonstrierten Menschen in 35 von 47 Bezirken, Demonstrierende besetzten das Parlament. Laut Friedrich-Naumann-Stiftung starben 14 Menschen. Präsident William Ruto zog das Gesetz zurück. Die Parole lautete da längst „Ruto must go“.
Was sie verbindet
Subir Sinha von der University of London sagt im ZDF: Überall geht es gegen Korruption, enttäuschte Versprechen und oft harte Staatsreaktionen. Tareq Sydiq von der Uni Marburg ergänzt: Junge nutzen die Mittel, die sie kennen, also soziale Medien. Verbunden sind die Bewegungen durch Symbole und Themen, nicht durch eine gemeinsame Sprache oder Region.
Die Ergebnisse sind sehr verschieden: Regierungswechsel in Nepal, ein zurückgezogenes Gesetz in Kenia, ein Reformaufruf in Marokko, Gewalt mit Toten fast überall.
Und bei uns? Wie das mit dem Demonstrieren in Deutschland läuft, liest du hier, mehr Politikthemen findest du in der Rubrik Jugend und Politik.
Was meinst du: Würdest du auf die Straße gehen, wenn plötzlich dein Netz weg wäre?
Stand: 1. November 2026
Quellen
- ZDFheute: Nepal bis Marokko, Aufstand der Gen Z (3.10.2025)
- ZDFheute: Madagaskar, Marokko, Nepal, Gen Z protestiert (19.10.2025)
- ZDFheute: Proteste in Nepal, Ministerpräsident tritt zurück
- Heinrich-Böll-Stiftung: Nepals Gen-Z-Revolution (11.5.2026)
- ORF: Drei Tote bei Jugendprotesten in Marokko (2.10.2025)
- ORF: Reformaufruf von Marokkos König, GenZ-Proteste pausieren (11.10.2025)
- Friedrich-Naumann-Stiftung: Ausschreitungen in Kenia (26.6.2024)
Titelbild: Mohammed Abubakr, Pexels.
