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Rezension: „Das Schlachten beenden!“ – alte Texte, neue Fragen

Rezension: „Das Schlachten beenden!“ – alte Texte, neue Fragen

Symbolbild zu: Rezension: „Das Schlachten beenden!“ – alte Texte, neue Fragen

Ein besserer Aufruf als „Das Schlachten beenden!“ lässt sich als Buchtitel kaum denken. Der Band, der aus dem Umfeld der Zeitung Graswurzelrevolution stammt, sammelt alte Texte zum Veganismus. Er liefert Geschichte, aber nur wenig Antworten für heute.

Worum es geht

Die Sammlung stellt Denkerinnen und Denker vor, die sich schon früh gegen das Töten von Tieren ausgesprochen haben. Genannt werden unter anderem Leo Tolstoi, Clara Wichmann, Élisée Reclus und Magnus Schwantje. Alle Texte stammen aus der Zeit vor 1930. Die Herausgeberinnen und Herausgeber ordnen sie in verständlichen Einleitungen ein.

Das ist der größte Gewinn des Buches: Es zeigt, dass der Verzicht auf Fleisch keine Modeerscheinung ist. Das Argument „Das haben wir schon immer so gemacht“ trägt nicht, wenn Menschen schon vor über hundert Jahren genau das infrage gestellt haben.

Die heikle Frage der Vergleiche

Der Rezensent erzählt, dass das Erste, was er über das Buch hörte, ein Vorwurf war: Es vermenschliche das Leid der Tiere und verharmlose den Holocaust. Dieser Vorwurf taucht in Debatten über Tierrechte immer wieder auf. Bekannt ist etwa, dass die Organisation PETA das Töten von Tieren mit dem Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden verglichen hat – was zu heftiger Kritik führte.

Das Buch weicht diesem Streit weitgehend aus, und zwar schon deshalb, weil seine Texte älter sind. Es argumentiert aus der Sicht von Menschen, die sagen: Ich will niemandem schaden, also esse ich keine Tiere. Das Vorwort bemüht sich außerdem, die Texte sorgfältig einzuordnen und jeden Einzelfall getrennt zu betrachten. Nach Einschätzung der Rezension gelingt dieser Spagat meist ganz gut.

Was fehlt

Hier liegt auch die Schwäche. Wer eine Antwort auf die aktuellen Fragen sucht, wird nicht fündig. Damals, zur Zeit der Rezension, wurde in den Feuilletons gerade ein viel besprochenes Buch über Fleischkonsum diskutiert. Die Kritik meint: Gerade jetzt müsse die linksradikale Debatte weitergehen und nach den Wurzeln von Herrschaft fragen.

Offen bleiben Fragen wie diese:

  • Wie sinnvoll ist Konsumkritik, und wo stößt sie an Grenzen?
  • Wie teuer darf eine vegane Ernährung sein, damit sie nicht zum Luxus wird?
  • Ist es konsequent oder heuchlerisch, nur weggeworfene tierische Produkte zu essen?
  • Bio-Eier oder gar keine Eier?
  • Und was ist mit Haustieren?

Praktische Tipps für den Einstieg liefert das Buch ebenfalls nicht. Nach Ansicht des Rezensenten sieht eine „hippe Anleitung“ zum Mitmachen anders aus.

Fazit

„Das Schlachten beenden!“ ist ein Geschichtsbuch, kein Ratgeber. Es taugt, um den Mythos vom ewigen Fleischessen zu entkräften. Empfohlen wird außerdem, die Auseinandersetzung um einen Artikel zum Veganismus in der Graswurzelrevolution zu lesen, auf die das Buch verweist.

Was das heute bedeutet

Der Text entstand 2010. Der Kern gilt weiter: Alte Texte können Mut machen und Argumente liefern, aber die Diskussion darüber, wie wir heute mit Tieren umgehen, müssen wir selbst führen – ehrlich, auch mit unbequemen Fragen an die eigene Praxis.

Quellen: Titelbild: Aigars Jansons, Pexels.