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Rechte Tendenzen in der Bundeswehr: „Nur selten aktiv“

Rechte Tendenzen in der Bundeswehr: „Nur selten aktiv“

Symbolbild zu: Rechte Tendenzen in der Bundeswehr: „Nur selten aktiv“

Ein Hitlergruß bei der Nationalhymne, rechtsextreme Musik in der Stube, Traditionspflege, die an die Wehrmacht erinnert: Wie rechts ist die Bundeswehr? Das Jugendmagazin Utopia fragte 2009 einen Fachmann des Arbeitskreises „Braunzone Bundeswehr?“, Lucius Teidelbaum. Hier fassen wir seine Aussagen zusammen. Es sind seine Einschätzungen, keine amtlichen Feststellungen.

Der Anlass: Gelöbnis am 20. Juli

Damals traten über tausend Soldatinnen und Soldaten vor dem Berliner Reichstag zum Gelöbnis an. Der Termin ist bewusst gewählt: der 20. Juli, der Jahrestag des gescheiterten Attentats von Offizieren auf Hitler im Jahr 1944. Die Bundeswehr stellt sich so in die Tradition dieses Widerstands.

Teidelbaum hält das für problematisch. Es laufe auf eine Trennung in „gute“ und „schlechte“ Wehrmacht hinaus, so dass Teile der Armee von den Verbrechen der NS-Zeit freigesprochen würden. Die Attentäter seien keine Demokraten gewesen, sondern zum Teil national-konservativ oder nationalsozialistisch eingestellt. Antisemitismus habe es auch dort gegeben. Als echten Widerstandskämpfer nennt er stattdessen Georg Elser, auf den sich die Bundeswehr nicht beziehe.

Tradition und Vorfälle

Kurz vor dem Gespräch hatte die Bundeswehr zwei Ausbildungshandbücher aus dem Verkehr gezogen, die die Wehrmacht verherrlichten. Teidelbaum meint, das Problem sei größer als zwei Bücher: An vielen Standorten gebe es Traditionsräume, die an Patenschaften mit Wehrmachtseinheiten erinnern. Auch beim jährlichen Treffen der Gebirgsjäger im bayerischen Mittenwald werde, so seine Kritik, an die Wehrmacht erinnert, ohne deren Kriegsverbrechen zu thematisieren. Die Bundeswehr stellte dort noch in jenem Jahr ein Blasorchester und einen Redner. Kritisch gesehen wurde das seiner Darstellung nach erst, als Druck von außen kam.

Rechtsextreme mit Bundeswehr-Vergangenheit

Teidelbaum verweist darauf, dass in rechtsextremen Kreisen ein Wehrdienst gern als Pluspunkt gilt. Als Beispiele nennt er den damaligen NPD-Vorsitzenden, der Offizier gewesen sei und weiter im Reservistenverband war, sowie einen Kommunalpolitiker, der früher Rekruten ausgebildet habe. Auch ehemalige hochrangige Soldaten hätten sich nach der Dienstzeit offen rechts positioniert. Einer von ihnen musste die Armee noch während des Dienstes verlassen, nachdem er sein antisemitisches Weltbild öffentlich gemacht hatte.

Wie geht die Bundeswehr damit um?

Seine Antwort: Nur selten von selbst. Handeln würde die Armee meist erst, wenn Vorfälle an die Öffentlichkeit kommen. Die bekannten Fälle seien deshalb „nur die Spitze des Eisbergs“. Die Zahl von 121 gemeldeten rechtsextremen Vorkommnissen im Vorjahr zeigt nur, was gemeldet wurde. Ob etwas gemeldet wird, hänge stark von der Einheit ab. Manches werde schlicht ignoriert.

Von außen oder von innen?

Beides, sagt Teidelbaum. Manche Neonazis gingen gezielt zur Bundeswehr, um den Umgang mit Waffen zu lernen. Die Wehrmachtstradition verstärke den Reiz zusätzlich. Auffällige Häufungen sehe er bei Gebirgsjägern, Fallschirmspringern und Spezialkräften.

Was das heute bedeutet

Das Gespräch ist über ein Jahrzehnt alt, die Fragen sind es nicht. Wer eine Armee betrachtet, sollte auf drei Dinge achten: auf Traditionen, auf Meldewege und auf unabhängige Kontrolle. Gerade weil Soldaten Waffen tragen, ist Aufmerksamkeit von außen wichtig – durch Medien, Initiativen und uns alle. Lies Aussagen aus Interviews wie diesem als eine Stimme in einer Debatte, nicht als abgeschlossenes Urteil.

Quellen: Titelbild: Thang Nguyen, Pexels.